Opfer oder Täter

Bei der Gedenkstätte der Gruppe 40 nutze ich mit den TeilnehmerInnen die Gelegenheit eine Frage zu erörtern: „War Österreich 1938 das erste Opfer der Nazis oder waren wir auch Täter?“

Dazu habe ich ihm Artikel „Mein Gott, was war mit uns los?“ von Frank Bajohr in der Zeit vom 25.1.2019 einen Einleitungstext gefunden. Im Artikel geht es um die erstmalige Ausstrahlung der Serie „Holocaust“ 1979 in Sendern der ARD und der anschließenden öffentlichen Diskussion und Aufarbeitung der Greueltaten der Nazis vor und während des 2. Weltkriegs an der jüdischen Bevölkerung. Im Artikel wird Henri Nannen, der damalige stern-Herausgeber zitiert:

Wer Soldat im Osten war, schrieb er, dem konnten die Judenerschießungen, die Massengräber und beim Rückzug die ausgebuddelten und verbrannten Leichenberge nicht verborgen bleiben. Ich jedenfalls, ich habe gewußt, dass im Namen Deutschlands wehrlose Menschen vernichtet wurden, wie man Ungeziefer vernichtet. Und ohne Scham habe ich die Uniform eines Offiziers der deutschen Luftwaffe getragen. Deshalb seien die Morde auch eine Sache aller Deutschen meiner Generation, denn schließlich haben Hitler, Himmler und Heydrich das blutige Geschäft nicht mit eigenen Händen bewerkstelligt, und sie hätten es auch mit ihren Einsatzgruppen nicht besorgen können – ohne uns, ohne Sie und mich.

 

Victor Adler – Hofrat der Revolution

Mit dieser Überschrift beschreibt Wolfgang Maderthaner in der Zeit den Werdegangs Adlers vom Armenarzt zum SPÖ-Parteigründer und zu einem der wichtigsten Baumeister der Ersten Republik.

Robert Misik schildert in seinem Blog den Kampf Victor Adlers für das allgemeine Wahlrecht.

Zum ersten Mal spreche ich zu Ihnen nicht mehr als zu Rechtlosen, sondern zu Wählern!“

Er kämpfte mit den GenossInnen der aufstrebenden ArbeiterInnenbewegung für das Recht zu Wählen. 1907  wurde das direkte, allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht eingeführt – aber NUR für Männer! 1918 das allgemeine Wahlrecht für ALLE.

Anita Winkler schreibt in Welt und Welten der Habsburger zu Victor Adler – Das Ziel einer klassenlosen Gesellschaft teilte Victor Adler mit dem Chefideologen der Arbeiterbewegung Karl Marx. Doch der Weg sollte unterschiedlich beschritten werden.

Politik_Aktuell_2-2018_Die_Gruendung_der_Republik_1918

Demokratie und Lernen aus der Vergangenheit

Am Sonntag den 14. Oktober gabs in Zusammenarbeit mit dem Verein present:history  und dem Verein zur Förderung Kritischer Theater-, Film und Medienwissenschaft einen Rundgang im Zentralfriedhof. 20 KollegInnen forschten im Rahmen der Veranstaltungsserie „Wien 1927-1934, Gegenstrategien und Widerstand am Vorabend des Faschismus“ in der Geschichte der ArbeiterInnenbewegung, um Ansätze für das politische Handeln HEUTE zu entwickeln.
Herzlichen Dank an die VeranstalterInnen – Artikel auf Facebook

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2018 – Hadersdorf – die endlose Geschichte

Hadersdorf entwickelt sich immer mehr zur endlosen Geschichte. Interventionen der Volksanwaltschaft, aber auch der Mandatarinnen der ÖVP bis hin zur Landeshauptfrau Mikl-Leitner zeigen keine Wirkung. Die Bürgermeisterin ist nach wie vor nicht gesprächsbereit und lässt den KZ Verbänden Niederösterreich und Wien per Schreiben ausrichten, dass sie nur in Beisein ihres Anwaltes mit ihnen sprechen würde.

Mehr dazu im neuen Mahnruf und in unserem Hadersdorfartikel

Johann Böhm

Johann Böhm, der erste Präsident des ÖGB, war ein überzeugter Verfechter der Geschlossenheit der Gewerkschafts-bewegung.

Johann Böhm bei seinem 65. Geburtstag:

„Ich möchte in Ihrer Mitte der bescheidene Diener des großen Gewerkschaftsbundes bleiben, wohl wissend, dass jedes Menschen Kraft unzulänglich ist. Den ÖGB hat kein einzelner gemacht. Wenn er das geworden ist, was er heute darstellt, so ist er es geworden aus der Zusammenarbeit der vielen Tausenden von Vertrauensmännern, die unablässig werben für ihn und an seinem Aufbau arbeiten.“

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Gruppe 40 – „Opfertheorie“ verschwindet nicht

Der Historiker Oliver Rathkolb zählt im Standard im Rahmen des Artikel „43% wünschen sich einen starken Mann“ unter anderem die Versäumnisse der Schule im Geschichtsunterricht auf.

STANDARD: Aber sehr viele wollen lieber einen Schlussstrich unter das Thema ziehen.

Rathkolb: Positiv ist, dass dieser Wert im Vergleich zum Jahr 2007 gesunken ist. Damals gab es eine wesentlich höhere Zustimmungsrate zur Schlussstrichdebatte. Jetzt sind es aber immer noch 40 Prozent. Auch wenn die Zahl sinkt: Jeder Vierte glaubt noch daran, dass Österreich das erste Opfer des Nationalsozialismus war. Es gehört einfach besser erklärt, dass es nicht darum geht, die alten Römer auf neu zu unterrichten, sondern dass diese furchtbare Erfahrung mit einer totalitären Diktatur in Europa die Basis für ein funktionierendes, demokratisches Systembewusstsein in der Gegenwart und Zukunft ist.

Barbara Prammer

„Wer das Ziel nicht kennt, wird den Weg nicht finden – Neue Antworten auf alte Fragen“

Dieser Titel ihres Buches lädt die Leserinnen ein sich mit ihr gemeinsam auf die Suche nach  Antworten auf alte, immer gültige Fragen zu machen. Allen voran jene, wie Gerechtigkeit in der Gesellschaft hergestellt werden kann. Woran sich politisches Handeln orientieren muss, um bei Bürgerinnen und Bürgern auf Vertrauen zu stoßen. Warum Solidarität nicht aus der Mode ist. Wie Begeisterung für Demokratie geweckt werden kann. Der politische Weg der „Bergmannstochter“ in Oberösterreich führte sie bis an die Spitze des Staates, wo sie als Präsidentin des Nationalrates sehr für die Öffnung des Parlaments kämpfte. Die Demokratiewerkstatt ihr Lieblingsprojekt gilt als ein Vorzeigeprojekt wie man Jugendlichen Demokratie näher bringen kann.

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Gruppe 40 – „Mein Kopf wird euch auch nicht retten“

Lisl Rizy und Willi Weinert haben als HerausgeberInnen die umfangreiche Korrespondenz österreichischer WiderstandskämpferInnen in vier Bänden unter dem Titel „Mein Kopf wird euch nicht retten“ veröffentlicht. In dieser umfangreichen Sammlung werden Schicksale vieler politisch aktiver Menschen, die grausam durch die Gestapo ermordet wurden, und die ihre letzte Ruhestätte in der Gruppe 40 fanden, uns zur Verfügung gestellt.
Ludwig Höfernig, ein Eisenbahner, der in der Gruppe 40 nach seiner Hinrichtung beerdigt wurde, schreibt im Abschiedsbrief an seine Frau:

Jetzt ist Mitternacht vorüber und ich schreibe und denke an euch, meine Lieben. Einige Stunden noch und wir haben es überstanden. Meine letzten Gedanken gelten euch, meine Lieben. Die Zeit heilt alle Wunden, Liebste, und werde glücklich, wie du es verdient hast, für dein tapferes Ausharren. Ich danke dir für alle Liebe und Arbeit, die du für mich getan hast. Wenn es recht schwer ums Herz ist, nimm die Harmonika und spiel ein Lied und denke, ich sitze neben dir.

Februar 1934 – Geschnitzt aus Widerstand

Fatzinack„Als die Nacht begann“: Ein Comic über den Februar 1934

Zum Jahrestag des Februaraufstands 1934 wird das Linolschnitt-Comic „Als die Nacht begann“ von Thomas Fatzinek neu aufgelegt. Davor hat kein Verlag die antifaschistischen Bildgeschichten des Wiener Künstlers gedruckt.

Im Standard schildert Karin Krichmayr die Geschichte von Thomas Fatzinek, der den Februar 1934 in einem Comic verarbeiten wollte. Nun hat der linke Wiener Kleinverlag Bahoe Books „Als die Nacht begann“ anlässlich des – wenn auch unrunden – Jahrestags der Februarkämpfe neu aufgelegt. Und damit ein kleines Juwel aus der Versenkung geholt.

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