Wie aus dem Freiwilligen Arbeitsdienst der Reichsarbeitsdienst (RAD) wurde.

Ein Auszug von unserem Besuch im Moormuseum Emsland. Neben den tollen Informationen zu den wichtigen ökologischen Fragen, zur Entwicklung der Besiedlung des Gebiets und der ärmlichen Lebensumstände Bevölkerung gehen wir der Frage des „Arbeitsdienstes“ in den Moorlagern nach. Die Kultivierung des Moorlandes in ertragreiches Ackerland und Wohnraum waren politische Versprechen beginnend im Kaiserreich und vor allem im Nationalsozialismus, wo Tausende zu Zwangsarbeit mißbraucht wurden. Ein Dankeschön an die Verantwortlichen des Museums, dass sie auch die dunklen Seiten der Geschichte bei der Kultivierung der Moorlandschaft hier im Emsland beleuchten.

Die Wurzeln des Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD) lagen in der ersten Nachkriegszeit in Deutschland, als die Forderung nach einem „Ersatz für die verloren gegangene Erziehungsschule des Heeres“ erhoben wurde1.

So war der FAD wie geschaffen für die arbeitsintensive Emslandkultivierung. Einsatzbereiche waren vor allem Straßen- und Wegebau, Kultivierung und Entwässerung, so am Küstenkanal oder beim Bau des Walchumer Schlotes. Bis Ende 1932 entstand im Emsland und dem Kreis Grafschaft Bentheim eine große Anzahl von Lagern nahe den Einsatzorten. Allein im Kreis Meppen wurden 830 Arbeitsdienstwillige bei 20 Projekten eingesetzt

Im Emsland waren vor allem katholische Verbände Träger des Dienstes, aber auch studentische oder Turnvereine. Während sie junge Leute von der Straße holen und zum Anpacken motivieren wollten, ging es den Auftrag gebenden Kreisen und Gemeinden um billige Arbeitskräfte2. Die Dauer war auf 20 Wochen beschränkt und der Lohn war die Weiterbezahlung der Arbeitslosen- bzw. Krisenunterstützung.

Da das NS-Regime im Arbeitsdienst eine Teilantwort auf die Wirtschaftskrise sah, löste es den 1931 ins Leben gerufenen FAD nach der Machtergreifung nicht auf, sondern gestaltete ihn nach seinen Vorstellungen sukzessive zu einem Instrument der bewussten Erziehung zur „Volksgemeinschaft“ um.

Das Bild stammt aus dem Moormuseum Emsland

Der Reichsarbeitsdienst (RAD) war klar durchstrukturiert: Der RAD gliederte sich in 30 „Arbeitsgaue“, 182 „Gruppen“ und 1.260 „Abteilungen“, es gab eine ausgefeilte Hierarchie (vom „Vormann“ bis zum „Obergeneralarbeitsführer3“).

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Würzburger Stolpersteine

Am 29. Oktober 1941 wurden alle Mitglieder der Familie BUKOFZER nach Litzmannstadt (Lodz) deportiert und von dort in das Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno). Dort wurden alle vier ermordet.

„Stolpersteine“ ist ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, mit dem an Menschen erinnert wird, die zwischen 1933 und 1945 von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet wurden.

In Würzburg gibt es Stolpersteine seit 2006. Das Projekt wurde von Benita Stolz und Helmut Försch initiiert und wird von der Stadt Würzburg unterstützt.
Wir nutzten den Geocaching -Rundgang (Adventure Lab), um etwas über die Geschichte der Familien zu erfahren.

Max Pollak erblickte am 13. Juli 1890 das Licht der Welt. Er verdiente sein Geld als Tabakwarenhändler und zog bereits 1936 mit seiner Ehefrau Klara Pollak (geb. Günther) und den drei in Giebelstadt geborenen Kindern, Karl-Günther (1926), Manfred (1928) und Margot (1929), nach Würzburg1. Der Vater emigrierte im Juli 1938 nach New York, er beabsichtigte, Ehefrau und Kinder zu sich holen.
Günter Pollak lebte mit seinem Bruder Manfred im Kinderheim Antonienstraße 7 und machte nach dem Besuch der Volksschule in München in den jüdischen Anlernwerkstätten eine Schreinerlehre. Er meldete sich am 14.11.1941 nach Würzburg ab. Am 27.11.1941 wurde er von Nürnberg aus gemeinsam mit seiner Mutter und den beiden Geschwistern Manfred und Margot nach Riga deportiert und ermordet2.

Zu weiteren Stolpersteinen in Würzburg

Eine gewalttätige Geschichte in einem gewaltvollen Triest

Die Hauptfigur des Romans „Bambino“ liefert sich gewalttätige Exzesse in den verschieden zeitgeschichtlichen Epochen von Triest nach der Monarchie der Habsburger. Zerrissen zwischen den Gefühlen für seinen antifaschistischen Vater und der Suche nach seiner slowenischer Mutter schliesst er Sicht den Schwarzhemden der Faschisten an. Als gefürchteter brutaler Schläger und Opportunist zeigt uns Bambino das Triest in der ersten Hälfte des 20. Jahrhundert.
Marco Balzano gelang es hervorragend eine spannende Lebensgeschichte mit den zeitgeschichtlichen Umbrüchen von Triest zu verknüpfen.

Hardcover Leinen, 256 Seiten, erschienen am 21. Januar 2026 im Diogenes Verlag
978-3-257-07352-2

Der brutale Hass der Nazis in Dresden

Uschi und Willi haben uns ein Foto von Stolpersteinen in Dresden dankenswerterweise zukommen lassen. Für uns eine gute Gelegenheit an die Opfer dieses blindwütigen und brutalen Hasses auf alle Anderen, die sich nicht der braunen Ideologie unterordnen wollten.

Diese beiden Stolpersteine erinnern an Max Hermann Dietze und Ernst Fritz Gottschling. Die Beiden waren maßgeblich an der Produktion des Porzellanglockenspiels im Dresdner Zwinger beteiligt.

Nur wenige Tage nach der Einweihung des Glockenspiels im Dezember 1933 wurde Max Hermann Dietze verhaftet, weil er den „Ernsten Bibelforschern“ (heute: Zeugen Jehovas) angehörte. Die Bibelforscher lehnten die Mitgliedschaft in der NSDAP und den nationalsozialistischen Organisationen, den Hitlergruß und den Wehrdienst ab und glauben zudem an den jüdischen Gott Jehova. Dietze wurde mehrere Monate im KZ Hohnstein (Sächsische Schweiz) inhaftiert, später im KZ Sachsenburg. Anfang 1936 kam Dietze frei. Max Hermann Dietze starb, aufgrund der Haft gesundheitlich stark angeschlagen, im Alter von nur 37 Jahren1.

Im Juli 1937 wurde Ernst Fritz Gottschling verhaftet und verbüßte anderthalb Jahre Strafhaft im Untersuchungsgefängnis Bautzen. Anschließend wurde er direkt ins KZ Buchenwald gebracht. Dort arbeitete er zunächst im Steinbruch und leitete später eine keramische Werkstatt im Lager. Auf einem Todesmarsch vom KZ aus wurde Gottschling im April 1945 von der SS erschossen2.


Quellenverzeichnis

  1. Stadtwiki Dresden ↩︎
  2. Stadtwiki Dresden ↩︎

Was haben Jean Jaurés und Victor Adler gemeinsam?

Beide kann man als „Väter“ der Sozialdemokratie in Frankreich bzw. Österreich nennen. Jean war geprägt vom Bergarbeiterstreik in seiner Region und schloss sich 1892 der sozialistischen Arbeiterbewegung an. Jaurès war ein überzeugter, dank seiner beeindruckenden Rhetorik auch überzeugender Pazifist. Er plädierte gegen Kolonien und für die Verständigung mit Deutschland. Bis zum Schluss kämpfte er gegen die Kriegsvorbereitungen.
Victor kannte als Armenarzt die große Not der Arbeiter:innen speziell in Favoriten. Er war der Überzeugung, dass nur dringende sozialpolitische Maßnahmen die Not der „Sklaven von Favoriten“ retten konnte. Da die Monarchie und der Staat auf der Seite der Unternehmer stand, organisierte er mit den Betroffenen Widerstand und gründete Gewerkschaften.

Jean Jaurés – Hof

Wir starteten in Jean Jaurés-Hof mit dem Rundgang. Die nächste Station war die Mithlinger-Siedlung auch „Rasenstadt“ genannt. Hier waren die Schwerpunkte:

  • Widerstand während des 12. Februar 1934 im Austrofaschismus
  • Vertreibung und Deportationen der jüdischen Bevölkerung in der Rasenstadt
  • Widerstand im Nationalsozialismus
In der Rasenstadt bei der Gedenktafel an Rudolf Friemel
Weiter zu den Ziegelarbeiter:innen

Die Unzufriedenen: Frauengeschichte(n) im Vorwärts-Haus

Am 27. Mai begeben wir uns bei einer Führung durch das Vorwärts-Haus gemeinsam mit der Wiener SPÖ Frauensekretärin und Gemeinderätin Sara do A.T. da Costa auf die Suche nach Frauengeschichte(n): Von den Anfängen der proletarischen Frauenbewegung im 19. Jahrhundert, über Ideal und Realität der „Neuen Frau“ im Roten Wien, bis zur Frauenpolitik in der Zweiten Republik.

Termin: Mittwoch, 27. Mai 2026 von 17.00 bis 18.30 Uhr
Ort: VGA, Rechte Wienzeile 97, 1050 Wien1

Bei einer Führung durch den Victor Adler-Gedenkraum, den historischen Parteivorstandssitzungssaal und auf den Dachboden des Gebäudes bekommen wir Einblick in die vielfältigen Bestände des Vereins für Geschichte der Arbeiter:innenbewegung – darunter historische Publikationen, Plakate, Tagebücher, Briefe und Fotografien – die die Geschichte von Frauen in der Arbeiter:innenbewegung sichtbar und erforschbar machen.


  1. Der Eingang zum Vorwärtshaus ist wegen aktueller U-Bahn Bauarbeiten etwas versteckt. Das Haus ist von der Gerüstpassage auf der Rechten Wienzeile aus durch eine Baustellentür zugänglich.Der Eingang zum Vorwärtshaus ist wegen aktueller U-Bahn Bauarbeiten etwas versteckt. Das Haus ist von der Gerüstpassage auf der Rechten Wienzeile aus durch eine Baustellentür zugänglich. ↩︎

Aktuelle politische Debatten (in Griechenland) und ihre Vergangenheit

Ein Nachtrag aus unserer Studiereise vom letzten Tag in Thessaloniki.

Sissi begrüsst Christos Mais.
Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Aristoteles-Universität Thessaloniki. Er besitzt einen Master-Abschluss in Buch- und Digitalmedienwissenschaften der Universität Leiden. Seine Dissertation über politisches Publizieren in Griechenland während der langen 1960er Jahre schloss er 2020 an derselben Universität ab.

Sein Referat umfasste vier Schwerpunkte:

  • Gibt es heute noch politische Debatten?
  • Mangel an Kritik und öffentlichem Dialog
  • Medienkontrolle durch spezifische wirtschaftliche und politische Interessen
  • Meta-Wahrheit, Fake News, Fehlinformationen, SLAPP1
WEITER ZUM vortrag von Christos

Der Floridsdorfer Spanienkämpfer Karl Sequens

Ausstellungsort: Kulturankerzentrum Schlingermarkt
Brünner Straße 34–38, 1210 Wien, Eingang: Brünner Straße 36
von 29.5.2026 bis 15.9.2026

Die Ausstellung basiert auf der Erzählung „Entwurf einer Liebe auf den ersten Blick“ von Erich Hackl (Zürich: Diogenes, 1999). Sie nähert sich dem Leben von Karl Sequens zwischen politischem Engagement, Exil und persönlichen Beziehungen und verknüpft die individuelle Biografie mit den historischen Ereignissen des Spanischen Bürgerkriegs sowie mit der Etablierung des Faschismus in Europa.

Eröffnung: Do, 28. Mai, 18:30 Uhr im Kulturankerzentrum Schlingermarkt
Mit Veronica Kaup-Hasler, amtsführende Stadträtin für Kultur und Wissenschaft
Erich Hackl, Schriftsteller

Öffnungszeiten: Mittwoch: 15–18 Uhr (am 15.7. geschlossen)
Sonderöffnungen: 10.06., 08.07., 12.08., 09.09. / jeweils 15–20 Uhr
04.07. / 11.07. /12.07. / 18.07. / 19.07. / 26.07. / 01.08. / 02.08 / 08.08. / 09.08. / 15.08. / 16.08. / 22.08. / 30.08.
jeweils 12-15 Uhr
Führungen für Schulen
16.06.2026, 10 –12 Uhr
23.06.2026, 10 –12 Uhr
Öffentliche Führungen
26.06.2026, 16 Uhr, 10.07.2026, 15 Uhr,
20.07.2026, 18 Uhr, 05.08.2026, 16 Uhr
28.08.2026, 16 Uhr, 05.09.2026, 12 Uhr
Finissage: 15.09.2026, 18 –21 Uhr

VERANSTALTUNGEN ZUR AUSSTELLUNG
Bezirksmuseum Floridsdorf, Di, 02.06.2026, 18 Uhr
Lesung von Erich Hackl: Ein Abend für Karl Sequens

ANMELDUNG
Für Veranstaltungen und Führungen wird um Anmeldung beim Bezirksmuseum Floridsdorf gebeten: bm1210@bezirksmuseum.at

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Ins Rampenlicht – Tour 1

 An der Fassade am Morzinplatz das Relieffries von Bildhauer Alfons Riedel, welches an die Opfer der Gestapo erinnert.

Zwei Politikwissenschaftler und Historiker machen sich mit einer Gruppe der Roten Spuren und begehen Geschichte. Wolfgang und Alexander holen Persönlichkeiten der Sozialdemokratie, die zu Beginn der Zweiten Republik wichtige Aufbauarbeit leisteten, ins Rampenlicht. Brigitte und Werner liefern die historischen Informationen zu den Stationen.

Zwei Beispiele aus dem Rundgang

Rudolfine „Fini“ Muhr 1– glühende Revolutionärin und ein Leben für den demokratischen Sozialismus. Als Betriebsrätin war sie Expertin zu Fragen und Problemen der Frauen in der Metallindustrie. Als Aktivistin bei den Revolutionären Sozialisten unterstützte sieOpfer im illegalen Kampf gegen die Austrofaschisten. Als Gründungsmitglied der SPÖ Hietzing nach 1945 war sie Mitglieder des Wiener Landtages und Gemeinderates. Von 1959 bis 1963 war sie Frauenzentralsekretärin der SPÖ und bis 1968 Mitglied des Bundesfrauenkomitees2.

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Wiener ARBEITS – FILM – FESTIVAL

Wir haben uns am 1. Mai im Gartenbaukino AMS – Arbeit muss sein – das Preview zum Wiener Arbeitsfilmfestival angesehen.
Der Film ist eine pointierte Systemkritik, wo das AMS als Vollzugsorgan der kapitalorientierten Arbeitsmarktpolitik bloß gestellt wird. Einerseits schreien fast täglich rechte, schwarze Wirtschaftsexpert:innen aus FPÖ, ÖVP und ihre „Lobbyclubs“ wie Agenda Austria, die Industriellenvereinigung und die Wirtschaftskammer, dass wir länger arbeiten müssen. Aber wo ist die Bereitschaft „ihrer“ Unternehmen ältere Arbeitslose Menschen zu beschäftigen.

Der Film taucht ein, garniert mit einer Brise Satire, in die Not einer 58-jährigen arbeitslosen Arztpraxishelferin. Sie verfängt sich im fiktionales AMS, das „Arbeitsplatz-Matching-System“. Sie findet sich wieder in eine Weiterbildungsklasse, wo beim Unterricht mit einem rechtspopulistischen Klangschalenzauberer der Keim der Solidarität entsteht. Trotz der späten Stunde saßen wir gebannt und fasziniert im Kino und warteten auf die nächsten solidarisch organisierten Gegenstrategien gegen ein System, dass Menschen zu Nummern, Statistikeinheiten reduziert.

Uns ist klar, dass viele Beschäftigte am AMS grossartige Arbeit leisten und sicherlich mit viel Empathie für die betroffenen Menschen tätig sind. Dahinter steckt allerdings auch ein System, das von Algorithmen, Daten und Statistiken geleitet wird.

„Anstelle eines tristen Sozialdramas ein schwungvolles Offbeat-Musical.“ (Lukas Foerster) 

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