Wissen für alle – ISOTYPE – die Bildsprache aus Wien

Hervorgehoben

Die ROTEN SPUREN laden in das Wien Museum ein.

Ausstellung – Wissen für alle
ISOTYPE – die Bildsprache aus Wien
Termin: 19. März 2026 um 18:30 Uhr
Wien Museum, Karlsplatz 8, 1040 Wien
Eine Kuratorenführung speziell für uns mit Werner Michael Schwarz
Für Mitglieder gratis, für Nichtmitglieder € 20.-
Anmeldung: rote.spuren@chello.at

Die politischen und demokratischen Ziele Neuraths, die einprägsamen, auf das Wesentliche reduzierten Zeichen und der Versuch, eine internationale Bildsprache zu entwickeln, inspirieren bis heute Künstlerinnen und Künstler. Weltweit beschäftigen sich Ausstellungen vermehrt mit dieser Verbindung von visueller Kommunikation, Kunst und Politik. Es geht um die Gestaltung und das Wirken von Zeichen, um einen politisch kritischen Umgang mit modernem Informationsdesign und neuen Medien.

Herzlichen Dank an Ingrid für das Organisieren der Veranstaltung.

100 Jahre Amalienbad und das Bäderwesen im Roten Wien

Im Juli 2026 feiert das Amalienbad seinen 100. Geburtstag. Der Waschsalon Karl-Marx-Hof nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, in das Bäderwesen im Roten Wien einzutauchen.

Kurator:innen-Führungen 2026:
Donnerstag, 26.3.2026, 18 Uhr
Donnerstag, 9.4.2026, 18 Uhr
Donnerstag, 7.5.2026, 18 Uhr
Donnerstag, 22.10.2026, 18 Uhr
Donnerstag, 12.11.2026, 18 Uhr

Führungen für Gruppen können nach Voranmeldung jederzeit organisiert werden.
Eintritt & Führung: EUR 12,- pro Person, Minimum 10 Personen, bzw. EUR 120,-
Anmeldung erforderlich unter info@dasrotewien-waschsalon.at

Griechenlands höchstes Gericht bestätigt Urteil gegen Neonazi-Partei Chryssi Avgi

Der Prozess gegen Mitglieder der faschistischen Partei Chryssi Avgi hat mit einem Urteilsspruch am Mittwoch (4.3.) in zweiter Instanz ein Ende gefunden. Die Betreffenden wurden abermals als Mitglieder einer kriminellen Organisation verurteilt. Außerdem wurden sie als „Anhänger des nationalsozialistischen Deutschlands und Hitlers“ bezeichnet.1

Andreas, Mitglied der Studienreise nach Griechenland hat uns diesen Beitrag zukommen lassen. Herzlichen Dank dafür.

Die faschistische Partei Chryssi Avgi ist eine „kriminelle Organisation mit klarer Struktur, Hierarchie und operativer Geschlossenheit“. Zu dieser Auffassung kam am Mittwoch (4.3.) ein Berufungsgericht in Athen mit seinem abschließenden Urteil. Zusätzlich hieß es, dass es sich um eine Partei mit extremistischer Rhetorik handle. Den Führungskern der Organisation bildeten demnach sieben Personen: Nikos Michaloliakos, Ilias Kassidiaris, Ioannis Lagos, Christos Pappas, Ilias Panagiotaros, Jorgos Germenis und Artemis Matthäopoulos. Insgesamt wurden 40 Personen für schuldig befunden, Mitglieder dieser kriminellen Organisation gewesen zu sein; darunter elf ehemalige Parlamentarier. Die Chryssi Avgi war von 2012 bis 2019 im griechischen Parlament vertreten und agierte dort zum Teil als drittstärkste Kraft. Mehr dazu im Artikel….

In Athen gibt es diesbezüglich einiges aufzuarbeiten bzw. in den richtigen Kontext zu setzen. Das Eingangstor zum Numesmatikmuseum ist massenweise mit schmiedenern Hakenkreuzen verziert.


Quellenverzeichnis

  1. Griechenland Zeitung vom 4.3.2026 ↩︎

Flucht, Widerstand, Repression: Das Arbeiter:innenviertel Nikaia

In Kokkinia entstand als eine der größten Flüchtlingssiedlungen am Rande von Piräus. Die Flüchtlinge stammten vor allem aus der Gegend um Smyrna (heute Izmir). Seine Entstehung und Entwicklung sind untrennbar mit den großen Fluchtbewegungen des 20. Jahrhunderts und dem politischen Widerstand verbunden. 1940 wurde der Stadtteil zu Ehren der antiken Stadt Nikaia (Nicäa) in Kleinasien in Nikaia umbenannt.

Eleni Kyramargiou und Olga Lafazani führen uns durch den Stadtteil. Am Beginn war uns das Wetter noch hold.

Die Arbeit der armenischen Fotografen, der Brüder Dirdilian, hat seltene Momentaufnahmen aus den Anfängen der Flüchtlingssiedlung Nikaia bewahrt – Zeugnisse, die es für andere Flüchtlingsviertel nicht gibt.
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Griechischer Antikommunismus gepaart mit britischen Imperialismus siegten in Athen 1945 über die Demokratie

Die britische Regierung befürwortete die Rückkehr des Königs auf den griechischen Thron. Als wichtigster Wahrer britischer Interessen in Griechenland stand er für eine wohlgesinnte – also nicht zur EAM gehörende und nicht kommunistische – griechische Regierung. Großbritannien war sehr daran gelegen, die Kontrolle über die Meeresrouten im südöstlichen Mittelmeer zu sichern, über die es mit seinen indischen Kolonien kommunizierte, und wollte Griechenland als Barriere gegen eine sowjetische Präsenz im Mittelmeer etablieren. Darüber hinaus waren mehrere große britische Unternehmen insbesondere im griechischen Energie-, Transport- und Bausektor aktiv und britische Banken hielten eine beträchtliche Anzahl an griechischen Staatsanleihen in ihren Portfolios. Die griechische Regierung hatte 1932 infolge der weltweiten Finanzkrise von 1929 Konkurs angemeldet. Eine EAM-Regierung würde die Gewinne und Interessen der britischen Unternehmen stark beeinträchtigen1.

Dass Geschichte von Menschen gemacht wird, die nicht wussten, wie es ausgeht. Wir neigen dazu, die Vergangenheit als unvermeidlich zu betrachten. Aber für die Akteure damals war alles offen. Diese Offenheit der Geschichte wiederzuentdecken, ist für mich die wichtigste Aufgabe des Historikers.2

Mahnende Zeugen des britischen Imperialismus

Kostis führt uns Im Athener Vorort Kaisariani zu einer Reihe von ehemaligen Flüchtlingswohnhäusern aus der Zwischenkriegszeit. Ihre Mauern sind von Einschusslöchern aus der Schlacht um Athen 1944 übersät, als britische Truppen die verschanzten Kämpfer der ELAS angriffen, die den Zugang zum Viertel kontrollierten.

Rechts von uns steht ein blinkendes Feuerwehr-Fahrzeug – sie räumen mit ihrer Motorsäge größere Sträucher weg. Dann taucht ein Polizeifahrzeug auf, der Polizist unterhält sich kurz mit Kostis.

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Kesariani – ein Schießstand als Hinrichtungsstätte

Unser erster Programmpunkt am Sonntag in Athen war ein Stadtspaziergang in Kaisariani zum Thema „Dangerous Citizens: Refugees and Communists“ mit Kostis Karpozilos. Nach einer Busfahrt treffen wir Kostis. Kostis Karpozilos promovierte 2010 am Institut für Geschichte und Archäologie der Universität Kreta und ist Assistenzprofessor an der Panteion-Universität in Athen für Geschichte und Politikwissenschaft.

Er führt uns von der Bushaltestelle durch einen Park zu Gedenkstätte Kesariani. Ab 1942 diente der Schießstand als Hinrichtungsstätte vor allem für im KZ Chaidari inhaftierte griechische Antifaschisten und Widerstandskämpfer. 

Am Tag der Arbeiter:innenbewegung am 1. Mai 1944 wurden hier 200 griechische Kommunisten hingerichtet.

Leider war die Gedenkstätte versperrt. So konnten wir nur ein Foto durch das Gitter machen.

„Diese Gedenkstätte ist unlösbar mit der Geschichte Ihres und meines Volkes verknüpft… Kein Mensch, zumal kein Deutscher, kann hier stehen, ohne von der Botschaft dieses Ortes tief berührt zu sein.1

Im Jahr 1984 wurde das zuvor nach wie vor als Schießstand genutzte Areal vom griechischen Kultusministerium als historisches Denkmal ausgewiesen2. Auf mich wirkten die großen schwarzen Platten mit den eingravierten Namen wie mahnende Monumente, streng geordnet wie in Reih und Glied stehende griechische Widerstandskämpfer:innen, die wegen ihres Kampfes für Freiheit und Demokratie vor den Wehrmachtssoldaten des grausamen Nazi-Regimes zur Hinrichtung angetreten sind.

Auf dem Weg zum Schießstand sangen die Verurteilten – politische Gefangene und Exilanten – Lieder, schrieben Briefe an ihre Angehörigen und Kameraden und warfen sie vom Lastwagen. Es war üblich, dass die Opfer Briefe von den Lastwagen warfen, die sie zur Hinrichtung brachten, und verzweifelt versuchten, den Familien, die sie zurückließen, ihre Liebe und ihre letzten Worte zu übermitteln3

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Während die Welt brennt, kann man nicht dasitzen und seinen Nabel betrachten

Die atemberaubende Biografie von Marie Langer reflektiert die globalen Umwälzungen des 20. Jahrhunderts.

Fesselnd und anhand zahlreicher Anekdoten plaudert Marie Langer in ihren „Erinnerungen” über ihre Kindheit und Jugend in Wien, ihre Familie, ihren Werdegang als Ärztin und Analytikerin, das politische Engagement nicht nur im Spanischen Bürgerkrieg und ihr Ankommen in Lateinamerika.

Ulrike Schmitzer hat die Erinnerungen von Marie Langer jetzt herausgegeben. Neben Ulrike Schmitzer ist auch Irene Filip auf dem Podium, die Betreuerin des Spanienarchivs des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes. Es moderiert Matti Bunzl.

ANMELDUNG

Marie Langer (1910 in Wien–1987 in Buenos Aires) war eine österreichische Ärztin und Psychoanalytikerin. 1933 wurde sie Mitglied der bald darauf verbotenen Kommunistischen Partei Österreichs, 1935 schloss sie ihr Medizinstudium ab und arbeitete in der Frauenabteilung einer psychiatrischen Klinik. 1936 engagierte sie sich mit ihrem späteren Ehemann Max Langer im Spanischen Bürgerkrieg (Sanitätsdienst der Internationalen Brigaden), 1939 heirateten sie und gingen nach Uruguay, 1942 nach Argentinien. Dort arbeitete Marie Langer als Psychoanalytikerin und engagierte sich weiterhin politisch. 1974 musste sie Argentinien verlassen, weil ihr Name auf den Todeslisten der Alianza Anticomunista Argentinia stand. Zunächst ging sie nach Mexiko, später nach Nicaragua, wo sie weiterhin als Analytikerin tätig war.

Erscheinungstermin: 9. März 2026
ISBN: 978-3990651490

Eine gesprengte Brücke als Verbindung zwischen zwei Widerstandsgruppen

Die Sprengung der Gorgopotamos-Eisenbahnbrücke am 25. November 1942 gilt bis heute als der größte und mutigste Moment des Widerstands gegen die deutsche Besatzung Griechenlands im Zweiten Weltkrieg.

Gorgopotamos bridge. Public Domain

Die Brücke nach der Sprengung. Wir besuchten die Brücke und das Denkmal bei einem Zwischenstopp auf der Fahrt nach Thessaloniki.

Der Busfahrer bringt uns vorbei an Olivenhainen auf engen Straßen in die Nähe der Brücke. Das erste Denkmal am Weg erinnerte an die Todesopfer anläßlich einer Minenexplosion von 1964. Toni, Michael und suchten uns nach der Einführung von Sissi einen Weg zu den stählernen Sockel der Brückenpfeiler.

GorgopotamosBrücke heute

Die Gorgopotamos-Brücke wurde von einhundert Italienern und fünf deutschen Soldaten bewacht, alle mit schweren Maschinengewehren. Ihre Neutralisierung erforderte nicht nur Schnelligkeit, sondern auch eine enorme Menge Sprengstoff. Das Widerstandsteam bestand aus einhundertfünfzig Mann: 86 Angehörige der ELAS, 52 der EDES sowie zwölf britische Soldaten. Der Plan sah vor, dass die Griechen die Wachen ausschalten oder ablenken sollten, während die Briten die Sprengsätze entlang der Brücke platzierten. Um 23:07 Uhr in der Nacht zum 25. November begann der Angriff auf die Wachen an beiden Enden der Brücke1.

1973 wurde ein Denkmal, das an die neun griechische Patrioten erinnert, die am 1. Dezember 1942 von den deutschen Besatzungstruppen an der Stelle der zerstörten Brücke öffentlich hingerichtet wurden.
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Unser griechischer Zeitstrahl durch 100 Jahre griechische Geschichte

Milena und Sissi bereiteten für uns eine Übersicht über die jüngere griechische Geschichte vor. Dazu trafen wir uns in den Räumlichkeiten der Redaktion von Epochi. Epochi ist eine griechische Wochenzeitung. Es wurde erstmals 1988 in Athen veröffentlicht und ist bis heute im Umlauf.

Von 1913, der Eingliederung Thessalonikis zum griechischen Staat, bis zur Ermordung von Shehzad Luqman und Pavlos Fyssas 2013 behandelten wir die wichtigsten politischen Ereignisse dieser 100 Jahre.

Zwischen Skylla und Charybdis – Griechenland unter der Diktatur

Nicolas Cassandras, aus dem Französischen übersetzt von Martin Donner, 1968 erschienen im Verlag des ÖGB

Skylla  ist ein Meeresungeheuer aus der griechischen Mythologie
Die Charybdis (Χάρυβδις) war ein gestaltloses Meeresungeheuer aus der griechischen Mythologie, das gemeinsam mit der Skylla in der Straße von Messina lebte.

Bei der Zusammenfassung der Texte habe ich versucht die starken antikommunistischen Darstellungen und Haltungen, von denen große Teile der Sozialdemokratie und Gewerkschaften, nach 1945 bis in die jetzige Zeit geprägt sind, abzuschwächen und heraus zu filtern. Diese „inhaltliche Gratwanderung“ wird aber durch andere Texte unseres „Readers“ ausgeglichen. Für die Begriffserklärungen habe ich anderen Quellen verwendet.
Es war hilfreich, weil es für mich ein weiterer Leitfaden durch die griechische Geschichte des 20. Jahrhundert war.